Was machen Individualbegleitungen in Kitas?
Eine Individualbegleitung wird dann benötigt, wenn ein Kind einen sehr hohen Pflege- und/oder Betreuungsbedarf in der Kita hat. Das heißt, das Kita-Personal kann im Rahmen der Gruppe diesem erhöhten Bedarf nicht nachkommen. Steht deshalb eine Kündigung des Kita-Platzes im Raum, ist eine Individualbegleitung erforderlich.
Diese begleitet das Kind in der Kita über mehrere Stunden täglich, so dass das Kind an den Gruppenaktivitäten teilnehmen kann und seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend unterstützt wird. Erziehungs- und Bildungsauftrag obliegen weiterhin der Erzieherin und Sozialassistentin der Kita, aber durch eine Individualbegleiterin sind zwei weitere helfende Hände vor Ort. Diese helfenden Hände ermöglichen, dass das Kind in der Kita bleiben kann und die anderen Kinder der Gruppe trotz dessen erhöhtem Pflege- oder Betreuungsaufwand nicht zu kurz kommen.
Welche Kinder genau brauchen eine Individualbegleitung?
Manchmal haben Kinder Schwierigkeiten, sich in einer Kita einzugewöhnen und sich in den dortigen Tagesablauf einzufinden. Das kann sehr unterschiedliche Gründe haben:
- körperliche Einschränkungen oder Behinderungen
- kognitive Beeinträchtigungen / Lernschwierigkeiten
- psychische Probleme
- ein neues Umfeld, das sich sehr vom Gewohnten unterscheidet
- gesellschaftliche Bedingungen
- Konfliktlösestrategien des Kindes, die sich in Form von Verhaltensauffälligkeiten äußern
- Migrationshintergrund mit belastender Fluchterfahrung
- oder ähnliche belastende oder beeinträchtigende Umstände
Was bietet eine Individualbegleitung durch die PUSTEBLUME
Begleitung & Einschätzung
Das Kind wir in der Gruppe begleitet. Die Individualbegleiterin (m/w/d) baut eine positive Beziehung zum Kind auf und stabilisiert es im Alltagsgeschehen. Bei auftretenden Problemen schätzt sie ein, ob das Kind Unterstützung benötigt oder die Herausforderung alleine bewältigen kann. Nur bei Bedarf erfolgt eine Unterstützung. Somit wird die kindliche Entwicklung der Selbständigkeit gefördert und nicht behindert.
Hilfe bei der Integration
Die Individualbegleiterin nimmt mit dem Kind an den Gruppenaktivitäten teil. Sie ermutigt und unterstützt. Überforderungen vermeidet sie und versucht stattdessen, die noch schlummernden Ressourcen im Kind zur Entfaltung zu bringen. Sie nimmt an den Förderangeboten der Pusteblume (Fachdienst für Integration & gegebenenfalls Frühförderangebote) in der Kita teil und ist so auf dem aktuellen Stand der Integration. Sie kennt die Ziele für das Kind und das heilpädagogische Konzept und kann mit diesem Wissen im Alltag die Begleitung gestalten. Dabei arbeitet sie mit den Mitarbeiterinnen der Pusteblume ebenso wie mit dem Kindergarten-Team konstruktiv zusammen.
Kontakt & Beziehung
Im Umgang mit anderen Kindern vermittelt die Individualbegleiterin zuverlässig positive Kontakte, um ins gemeinsame Spielen zu finden. Sie agiert dabei so wenig wie möglich und soviel nötig. Ziel einer Individualbegleitung ist, Selbständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung des Kindes bestmöglich zu unterstützen.
Beistand & Wertschätzung
Unsere Individualbegleitungen arbeiten beziehungs- und ressourcenorientiert. Sie helfen den Kindern bei der Regulation ihrer Gefühle, indem sie ihnen zur Seite stehen und ihnen trotz aller auftretenden Schwierigkeiten mit Wertschätzung begegnen. Dabei arbeiten sie lösungsorientiert mit den Kindern.
Pflege & Förderung
Eine Individualbegleitung gibt Hilfestellung bei lebenspraktischen Tätigkeiten und übernimmt erforderliche Pflegemaßnahmen bzw. assistiert dem Kind bis es dies selbständig kann. Sie nimmt an allen Fördermaßnahmen für das Kind durch das Kita-Personal, den Fachdienst für Integration und ggf. externer Therapeuten in der Kita teil sofern diese zur Kooperation bereit sind.
Teamarbeit & Schulungen
Individualbegleitungen der PUSTEBLUME treffen sich 14tägig zum Team und werden dort fachlich geschult, um unser Konzept bestmöglich in der Kita umsetzen zu können. Auftretende Herausforderungen werden fachlich qualifiziert von der PUSTEBLUME begleitet. Vor Tätigkeitsbeginn erfolgt zumeist eine umfangreiche Einschulung in Präsenz kombiniert mit ausführlichen schriftlichen Unterlagen zum Nachlesen.
Wie bekommt man eine Individualbegleitung von der PUSTEBLUME?
Für die Maßnahme einer Individualbegleitung arbeiten alle Beteiligten eng zusammen:
die Kita, die Eltern, die PUSTEBLUME-Individualbegleitungen sowie der Leistungsträger, der die Kosten übernimmt.
- Meist meldet uns der Kindergarten den Bedarf an einer Individualbegleitung, aber auch die Eltern dürfen sich gerne zuerst an uns wenden.
- Im nächsten Schritt kommen die Eltern zum offenen Beratungsangebot zu uns in die PUSTEBLUME oder wir vereinbaren einen Termin mit ihnen in der Kita. Gerne unterstützen wir beim Antrag, der von den Eltern (nicht von der Kita) gestellt werden muss. Wir vereinbaren mit den Eltern einen kostenfreien Individualbegleitungsvertrag über unsere Leistungen.
- Die Kita füllt die Formulare des Leistungsträgers über die Rahmenbedingungen ihrer Einrichtung und die Gründe für die beantragte Leistung aus. Auch hier unterstützen wir gerne. Zeitgleich vereinbaren wir mit der Kita einen Kooperationsvertrag über die für die Einrichtung kostenfreie Individualbegleitung.
- Während die Beantragung der Kostenübernahme beim Leistungsträger läuft, kann die neue Position einer Individualbegleitung bereits öffentlich ausgeschrieben werden.
- Die Individualbegleitung der PUSTEBLUME startet in der Kindertagesstätte erst mit der Bewilligung der Maßnahme durch den Leistungsträger.
Da eine Bewilligung und die Suche nach einer geeigneten Person für die Individualbegleitung geraume Zeit in Anspruch nehmen, ist eine möglichst frühzeitige Beantragung sinnvoll. Zum Start nach den Sommerferien sollte der Antrag idealerweise bis 31.05. des laufenden Kalenderjahres, bei Start zum Halbjahr im Februar bis 31.10. des Vorjahres gestellt worden sein.
Jeweils in der ersten Septemberwoche schulen wir unsere neuen Mitarbeiterinnen mit 40 Seminarstunden, so dass diese gut vorbereitet in ein neues Schuljahr in der Kita starten können. Zum Halbjahr können wir diese Schulungswoche meist nur in sehr reduzierter Form anbieten, da unsere Referentinnen für die Seminare selber Kinder im Rahmen der Frühförderung fördern und hierfür einfach die Zeit fehlt. Zum anderen starten die meisten Individualbegleiterinnen im September, so dass im Februar nur wenig Teilnehmerinnen zur Schulung kommen. Die Schulungswoche bekommen wir vom Leistungsträger nicht vergütet. Die Schulung ist uns aber sehr wichtig und für die Individualbegleiterinnen absolut hilfreich und notwendig, so dass wir diese Einarbeitung auf eigene Kosten als unentgeltliche Serviceleistung der PUSTEBLUME einmal im Jahr anbieten.
Gesine Herzog
